296. Wiener Derby – Rapid vs Austria

Das Wiener Derby zwischen Rapid Wien und Austria Wien gehört zu den bekanntesten Fußballderbys Europas. Nach dem "Old Firm" zwischen Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers ist das Wiener Derby das am zweithäufigsten gespielte Fußballderby auf dem Kontinent. Bislang trafen die beiden Wiener Traditionsklubs 295-mal in Pflichtspielen aufeinander, davon fanden alleine 263 Begegnungen in der Meisterschaft statt.

Rapid gegen Austria – dieses Duell hat im österreichischen Fußball einen ganz besonderen Stellenwert. Die Rivalität zwischen den beiden Klubs geht weit zurück und gründet auf dem Aufeinandertreffen zweier Klassenunterschiede. Auf der einen Seite Rapid Wien, der 1898 als erster Arbeiter-Fußballverein Österreichs gegründet wurde, auf der anderen Seite die Austria, bei der es sich um einen „bürgerlichen“ Verein handelte. In weiterer Folge ging es natürlich auch um die lokale Vorherrschaft.

In den Anfangszeiten waren die Grün-Weißen dem violetten Rivalen überlegen. Das erste Wiener Derby zwischen Rapid und Austria, damals noch unter dem Namen Amateure, fand am 8. September 1911 statt und endete mit einem 4:1-Sieg der Grün-Weißen. Der erste Sieg der Wiener Austria folgte erst sechs Jahre später am 11. November 1917 mit einem 1:0. Rapid war in der Frühzeit des österreichischen, oder besser gesagt Wiener Fußballs der dominierende Klub. Bis zum ersten Meistertitel der Austria (1923/24) hatte Rapid bereits achtmal die Meisterschaft gewonnen.

Unter den mittlerweile fast 300 Derbys waren natürlich auch viele torreiche Duelle dabei. Rapids höchste Siege waren ein 9:0 am 2. Juli 1916 und ein 10:1 am 23. August 1942. Austrias höchster Erfolg resultiert vom 11. Oktober 1969 mit einem 6:0. Das trefferreichste Derby war ein 7:5 Rapids am 17. September 1950, das vielfach auch als "Jahrhundertderby" bezeichnet wird. Am 10. März 1990 gelang Rapid noch einmal ein 6:3-Heimsieg, Austrias letzter Kantersieg der nahen Vergangenheit resultiert vom 17. April 1993. Damals siegten die Violetten im Hanappi-Stadion mit 5:1.

Während Rapids Spielstil für Kampfkraft stand, bestach der große Rivale Austria durch die brillante Technik – "Rapids Kampfgeist" oder kurz gesagt der "Rapidgeist" versus "Austrias Scheiberlspiel". Dieses Klischee wurde in den 30iger Jahren durch die Spielweise zweier Legenden bestens verkörpert. Rapids Goalgetter Franz Binder bestach durch seine Kampfkraft und seinen platzierten, harten Schuss. Austrias Matthias Sindelar verzauberte die Fans mit seiner fabelhaften Technik. Der "Papierene", wie Sindelar aufgrund seiner schmächtigen Statur genannt wurde, war Kapitän des legendären Wunderteams und gilt bis heute als eines der größten Idole des österreichischen Fußballs.

Auch viele Jahre später hatte sich diese Tradition – Kampf vs Technik – fortgesetzt. In den 70iger und 80iger Jahren erlebte die Rivalität einen neuen Höhepunkt. Bei Rapid schoss sich Hans Krankl in die Herzen der Fans, bei der Austria war Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundert-Fußballer, das Um und Auf. Beide sorgten auch im Ausland für Furore. Krankl in Spanien bei FC Barcelona und Prohaska in Italien bei Inter Mailand und AS Roma. Zudem bildeten sie im Nationalteam ein kongeniales Duo. Prohaska als Dribblanski und Vorlagengeber im Mittelfeld und Krankl als Vollstrecker im Angriff.

Heutzutage kann von einem Klassenunterschied und einer unterschiedlichen Spielweise wie seinerzeit nicht mehr die Rede sein. Die Tradition des Derbys ist aber geblieben. Das Wiener Derby ist immer noch das zugkräftigste Spiel in Österreich und polarisiert wie kein anderes. Rapid hat in der Gunst der Fans die Nase vorne, aber die Austria hat in den letzten Jahren aufgeholt. Seit dem Abgang von Sponsor Frank Stronach setzen die Violetten fast ausschließlich auf talentierte österreichische Spieler, der neue Weg scheint bei den Anhängern anzukommen. Und die jüngsten Erfolge geben der Führungsspitze um Markus Kraetschmer und Thomas Parits Recht.

Das nächste Wiener Derby steht am 13. März 2011 auf dem Programm, wenn in der Generali-Arena (vormals Horr-Stadion) FK Austria Wien und SK Rapid Wien zum 296. mal in einem Pflichtspiel, und zum 264. mal in der Meisterschaft, aufeinandertreffen. Im Head-to-Head liegen die Hütteldorfer mit 123 Siegen gegenüber 107 Siegen der Austria vorne. 65 Derbys endeten mit einem Remis. Die jüngsten zwei Derbys – beide in der laufenden Saison – brachten jeweils einen 1:0 Sieg der Gäste.

tipp3-Bundesliga Wettquoten

Statistik (Head-to-Head):
Pflichtspiele: 295 Spiele
Siege Rapid Wien: 123
Siege Austria Wien: 107
Unentschieden: 65
Torverhältnis: 566:478 für Rapid

Meisterschaft: 263 Spiele
Siege Rapid Wien: 112
Siege Austria Wien: 89
Unentschieden: 62
Torverhältnis: 500:402 für Rapid

Cup: 31 Spiele
Siege Rapid Wien: 10
Siege Austria Wien: 18
Unentschieden: 3
Torverhältnis: 63:75 für Austria

Supercup: 1 Spiel
Siege Rapid Wien: 1
Siege Austria Wien: 0
Unentschieden: 0
Torverhältnis: 3:1 für Rapid

Erfolge:
Meistertitel:
Rapid Wien: 32
Austria Wien:23

Cupsiege:
Rapid Wien: 14
Austria Wien: 27

Europacupfinalist:
Rapid Wien: 1985 und 1996 (Europacup der Cupsieger)
Austria Wien: 1978 (Europacup der Cupsieger)

Wichtige ehemalige Spieler:
Rapid Wien: Josef Uridil, Hans Pesser, Franz Binder, Walter Zeman, Josef Bican, Gerhard Hanappi, Ernst Happel, Rudolf Flögel, Franz Hasil, Toni Fritsch, Robert Dienst, Alfred Körner, Robert Körner, Hans Krankl, Heribert Weber, Antonin Panenka, Zlatko Kranjcar, Rudolf Weinhofer, Karl Brauneder, Reinhard Kienast, Peter Pacult, Jan-Age Fjörtoft, Michael Konsel, Trifon Ivanov, Peter Schöttel, Didi Kühbauer, Andreas Herzog, Carsten Jancker, Dejan Savićević

Austria Wien: Ludwig Hussak, Wilhelm Morocutti, Walter Nausch, Matthias Sindelar, Karl Stotz, Ernst Stojaspal, Ernst Fiala, Ernst Ocwirk, Horst Nemec, Hans Buzek, Alfred Drabits, Thomas Parits, Friedl Koncilia, Erich Obermayer, Robert Sara, Felix Gasselich, Karl Daxbacher, Josef Degeorgi, Herbert Prohaska, Tibor Nylasi, Manfred Zsak, Anton Pfeffer, Andreas Ogris, Toni Polster, Sigurd Rushfeldt, Peter Stöger, Jocelyn Blanchard, Milenko Acimovic